SchaumburgerPostgeschichte.de
Staatswappen des Fürstentums Schaumburg-Lippe
letzte Änderung: 23. Dezember 2005
Heinz K. Selig, Ludwigsburg

Tauchbootbrief aus Rinteln

Das Deutsche Reich versuchte während des 1. Weltkrieges den Handelsverkehr für kriegswichtige Güter und Diplomatenpost mit dem amerikanischen Kontinent aufrechtzuerhalten. Die Seeblockade, die die direkten Kriegsgegner errichtete hatten, sollte mit Hilfe von Handels-U-Booten umgangen werden.
Zum Betrieb dieser Handels-U-Boote gründeten der Bremer Großkaufmann Alfred Lohmann, die Reederei Norddeutscher Lloyd und die Deutschen Bank am 8. November 1915 die Deutsche Ozean-Reederei (DOR).
Handels-U-Boot „Deutschland“
Handels-U-Boot „Deutschland“
Die DOR setzte auf zwei Reisen das Handels-U-Boot „Deutschland“ ein. Die erste Reise führte nach Baltimore (Ankunft 8. Juli 1916); Ladung: 163 t Farbstoffe für 60.000.000 RM, Arzneien, Bank- und Diplomatenpost. Die Ladung wurde dringend von der amerikanischen Farbenindustrie erwartet. Auf der Rückreise wurden Kautschuk, Nickel und Zinn transportiert. Der Gewinn aus der Zuladung betrug 17.500.000 RM - das sechsfache der Baukosten des U-Bootes. Am 25. August 1916 erreichte die „Deutschland“ Bremerhaven. Die Rückfracht deckte den Bedarf der deutschen Kriegsindustrie für mehrere Monate.
Die zweite Reise dauerte vom 14. Oktober bis 10. Dezember 1916. Sie führte in den Hafen von New London/Connecticut. Die Reise wurde durch eine Reparatur eines Schadens verzögert, den ein amerikanischer Schlepper an der „Deutschland" absichtlich verursacht hatte.
Die mit dem Handels-U-Boot zu befördernden Briefe mussten in einem separaten Umschlag mit der Aufschrift „Tauchbootbrief nach Bremen“ an die Deutsche Ozean-Reederei geleitet werden. Hierfür war eine Gebühr von 2 Reichsmark zu entrichten. Die Briefe der ersten Gewichtsstufe wurden mit 20 Pfennig, die der zweiten Gewichtsstufe mit 30 Pfennig frankiert.
Die dritte Tauchbootfahrt, die am 15. Januar 1917 starten sollte, wurde wegen Eintritts der USA in den Krieg als Kriegsgegner von Deutschland nicht angetreten.
Alle Waren und Postsendungen, die zur Beförderung bei der Werft in Bremen gelagert waren, wurden den Absendern zurückgegeben. Die Postsendungen erhielten den Stempel „Zurück. Wegen Einstellung des Tauchbootbriefverkehrs zurück an den Absender“. Den Absendern wurde das bereits bezahlte Beförderungsentgelt und die Kosten für die Zuleitung der „Tauchbootbriefe“ erstattet. Allerdings musste hierfür der Briefumschlag als Quittung bei der Post abgegeben werden. Diese zurückgegebenen Umschläge wurden später dem Briefmarkenhandel überlassen. Aus diesem Grunde sind bei vielen Tauchbootbriefen die Absender und die Empfänger geschwärzt.
„Tauchbootbrief“ aus Rinteln
„Tauchbootbrief“ aus Rinteln, datiert vom 9. Januar 1917
Das Schwesterschiff der "Deutschland", die "Bremen", ging auf der Jungfernreise verloren. Ihr Schicksal wurde bis heute nicht aufgeklärt. Nach der Fertigstellung wurde sie am 8. Juli 1916 der DOR übergeben und in das Schiffsregister von Bremen eingetragen. Kapitän war Karl Schwartzkopf. Er war Reserveoffizier der Marine, an U-Booten ausgebildet und vor Übernahme der "Bremen" aus dem aktiven Dienst entlassen worden. Am 21. August 1916 verließ die "Bremen" den Kieler Hafen und machte kurz im Helgoländer Hafen Station, um dann die Überfahrt anzutreten. Auf dieser Reise blieb sie verschollen. Auch nach Beendigung der Feindseligkeiten wurde der Verbleib dieses Bootes nicht geklärt.
Die "Deutschland" wurde von der Kaiserlichen Marine übernommen und in der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven zum U-Kreuzer "U 155" umgebaut. Bis zum 13. November 1918 blieb sie im Kriegseinsatz. Am 24. November 1918 erfolgte die Übergabe an Großbritannien.

Verwendete Literatur/Quellen:

/1/   Claus Geissler: „U-200“ – Deckname – Die Tauchbootpost-Story 1916/1917

/2/   http://briefsammler.com/Tauchbootbrief.htm

/3/   http://de.wikipedia.org/wiki/Unterseeboot#1900.E2.80.931930_Erster_Weltkrieg

/4/   http://www.u-boot-net.de/include.php?path=content/content.php&contentid=67